Mein Weg zum Fachtierarzt für Kleintiere: Ein Erfahrungsbericht
Fachtierarzt werden. Dieses Berufsziel steht für viele Tierärzte im Raum, oft bereits direkt nach Abschluss des Studiums oder den ersten Jahren im Beruf.
Dr. Peter Christian Ponn hat die Weiterbildung zum Fachtierarzt für Kleintiere erfolgreich abgeschlossen und gibt uns spannende und persönliche Einblicke in seine Ausbildungszeit.
Warum Fachtierarzt werden?
Peter hat sich direkt nach dem Studium an der TiHo für die Weiterbildung zum Fachtierarzt für Kleintiere in einer Kleintierklinik im Ruhrgebiet entschieden. Er hat die Klinik allerdings nicht vorrangig wegen der Weiterbildungsermächtigung ausgewählt; sie war jedoch ein Pluspunkt. Die Weiterbildung hat ihm eine fundierte Ausbildung geboten, mit dem Ziel, ein sehr guter Allgemeinmediziner für Kleintiere zu werden.
Anfangs waren die Gründe für die Anmeldung zur Weiterbildung eher pragmatisch: „In den ersten ein oder zwei Jahren hat man vieles im Kopf und der Berufseinstieg kann wahnsinnig überwältigend sein“. Hier dreht sich der Arbeitsalltag also vielmehr darum, die Grundlagen zu erlernen und eine gute Basis zu legen, statt bereits Fälle für den Fachtierarzt-Leistungskatalog zu sammeln. Das passiert anfangs eher „nebenbei“. Insofern haben sich Peters erste Schritte im Berufsleben als Tierarzt vermutlich gar nicht so sehr von denen anderer Tierärzte, die keine Weiterbildung absolvieren, unterschieden und der Fokus auf die eigentliche Weiterbildung folgte im späteren Verlauf. In vielen, oft auch größeren Kliniken mit mehreren Fachtierarztanwärtern, durchläuft man im Rahmen der Fachtierarztweiterbildung ein sehr strukturiertes Ausbildungsprogramm, das von Beginn an z.B. regelmäßige Fallbesprechungen oder bestimmte Rotationen vorsieht. In Peters Weiterbildungsstätte dagegen war die Weiterbildung stärker am individuellen Tempo des Einzelnen ausgerichtet. Er konnte selbst entscheiden, wann er die nächsten Schritte angehen wollte, hatte dabei aber jederzeit Rückhalt und Unterstützung durch seine Weiterbildungsstätte.
Ich möchte Fachtierarzt werden: Was muss ich als Erstes tun? Wie fange ich an?
Die formellen Anforderungen an die Anmeldung schildert Peter als ganz unkompliziert. Er hat die Weiterbildung im Kammergebiet Westfalen-Lippe absolviert. Die Anmeldung erfolgt über die zuständige Landestierärztekammer mithilfe eines Formulars und wurde in Peters Fall auch sehr schnell bestätigt. Ab diesem Moment startet die Weiterbildungszeit von 4 Jahren*. Wichtig ist, dass beim Arbeitgeber eine sog. Weiterbildungsermächtigung vorliegt*. Im Anmeldeprozess wird ein Weiterbildungsbemächtigter benannt, dieser ist selbst Fachtierarzt für Kleintiere und kann ebenfalls angestellter Tierarzt oder Praxisinhaber sein.
*Es gibt Ausnahmen in dem Erfordernis der Weiterbildungsermächtigung, z.B. ist auch eine Weiterbildung aus eigener Praxis heraus möglich. Hier verlängert sich die Weiterbildungszeit auf die doppelte Zeit. Unter Umständen kann auch eine Weiterbildung durch einen externen Betreuer möglich sein. Informationen dazu erteilt die zuständige Landestierärztekammer.
Es ist sinnvoll, sich frühzeitig anzumelden, da auch ab dem Moment erst die Fälle für den Leistungskatalog „zählen“. Peters Tipp: „Wenn du unsicher bist, melde die Weiterbildung erst einmal an“. So sammelt man gleich mögliche relevante Fälle. Gerade am Anfang der Karriere macht man sich um viele Dinge einen Kopf und sollte den Fokus mehr auf den Berufseinstieg selbst setzen, als auf die Frage, ob man schlussendlich die Weiterbildung absolvieren möchte. Einfach mal machen, könnte ja gut werden!
Inhalte und Ablauf der Weiterbildung
Der Aufgabenbereich des Fachtierarztes für Kleintiere umfasst die „Tierärztliche Versorgung von in der Gemeinschaft mit den Menschen lebenden Kleintieren (Hunde, Katzen) und Heimtieren (= Kleinsäuger, z. B. Frettchen, Kaninchen und Nager)“ (TÄK Westfalen-Lippe). Dazu gehören u.a. die Gebiete der Inneren Medizin und Chirurgie, aber auch der Gynäkologie/Andrologie, Anästhesie, Notfall- und Intensivmedizin sowie gesetzliche Bestimmungen.
Die Weiterbildung erfolgt sehr praxisnah: Man dokumentiert die „praktischen Verrichtungen“ (ca. 500 „Fälle“), welche durch einen Leistungskatalog vorgegeben und kategorisiert sind. Das sieht z.B. so aus:
Innere Medizin
EKG 20
Zytologie (inkl. Blutausstriche) 20
Knochenmarkspunktion 2
Röntgenuntersuchungen 50
(…)
Chirurgie
(…)
Tumoroperation 5
Mastektomie 3
Aufwendige Wundrevision 10
(…)
Die Dokumentation beinhaltet Daten zum behandelten Tier, das Signalement, eine Problemliste, diagnostische Maßnahmen, die Diagnose(n), therapeutische Maßnahmen und den Krankheitsverlauf.
Darüber hinaus sind 15 Fallberichte vorzulegen, die deutlich mehr in die Tiefe gehen und auf verschiedene Organsysteme (z.B. Verdauungstrakt, Herz-Kreislaufapparat, Harntrakt, Nervensystem, Haut, Bewegungsapparat, Augen und Mundhöhle, …) verteilt sind.
Publikation(en)
Es wird außerdem eine Publikation (Dissertation oder eine fachbezogene Publikation als Erstautor) erfordert, die in einer Fachzeitschrift mit Gutachtersystem veröffentlicht ist (Stand 2026, Kammergebiet Westfalen-Lippe). Gerade im Hinblick auf die benötigten Veröffentlichungen unterscheiden sich die Weiterbildungsordnungen sowohl nach Landestierärztekammer als auch nach der jeweils gültigen Fassung.
In Peters Fall waren insgesamt drei Publikationen oder eine Dissertation plus eine zusätzliche Publikation gefordert. Er hat parallel eine Promotion verfolgt und in diesem Rahmen zwei Veröffentlichungen geschrieben. Darüber hinaus hat er dann einen Fallbericht aus seiner Fachtierarztweiterbildung über eine Katze mit Nebennierentumor in einer veterinärmedizinischen Fachzeitschrift veröffentlicht.
Diese Publikation ist für Peter ein Meilenstein, auf den er ganz besonders stolz ist. Als er begonnen hat, den Fallbericht aufzuschreiben, steckte auch die Dissertation noch in den Kinderschuhen. Dementsprechend wenig Erfahrung hatte er im wissenschaftlichen Schreiben. Die ersten Versuche, das Paper einzureichen, verliefen zäh und waren von vielen Revisionen geprägt. Kurzzeitig dachte Peter daran aufzugeben, doch er hat den Fallbericht stetig überarbeitet und das Paper wurde schlussendlich veröffentlicht: „Ich bin an dieser Publikation gewachsen. Es war ein Learning by doing und zwischen dem ersten Entwurf und der finalen Version lagen Welten“.
Wie läuft die Weiterbildung konkret ab?
Peter hat die Weiterbildung in insgesamt 5 Jahren absolviert, um sich währenddessen auch auf die Promotion fokussieren zu können. Die benötigten Fälle hat er in der Praxissoftware dokumentiert und im Rahmen des Arbeitsalltags gesammelt, der durch seine Tätigkeit in einer breit aufgestellten Kleintierklinik mit breitem Leistungsspektrum ohnehin viele Bereiche abgedeckt hat.
Dadurch waren die Fälle schon sehr gut vorbereitet. Es ist sehr empfehlenswert, die gesammelten Fälle frühzeitig in der Praxissoftware entsprechend zu markieren oder zu hinterlegen. Das erleichtert die spätere Dokumentation enorm. Dieses „Zusammenschreiben“ hat Peter dann von daheim, sozusagen in der Freizeit, erledigt. „Dabei einen Kaffee, Aperol oder anderes Spaßgetränk trinken, hat bei dieser Fleißarbeit durchaus geholfen“, sagt Peter mit einem Grinsen.
Bei den ausführlichen Fallberichten ist darüber hinaus noch einiges an Literaturarbeit und Recherche nötig. Diese Fälle werden deutlich detaillierter beschrieben. Peter hat hier z.B. einen Fall eines Hundes geschildert, der ventrikuläre Extrasystolen während einer Gastropexie (Operation einer Magendrehung) gezeigt hat. Neben Anamnese, Diagnostik und therapeutischen Maßnahmen des Falls geht man hier auch auf Ätiologie und Pathogenese der Erkrankung sowie Differentialdiagnosen ein und setzt den behandelten Fall in den Kontext beschriebener Patienten in der Literatur.
Welche Fälle und Themengebiete sind ganz „easy“ und welche sehr schwierig zusammen zu bekommen?
Sämtliche regelmäßige Diagnostikfälle, z.B. Blutbilder oder Röntgenaufnahmen, sind laut Peters Erfahrung sehr gut zu sammeln. Diese sollten natürlich einige diagnostische Befunde umfassen, müssen aber nicht zwingend immer Veränderungen zeigen. Eine „bunte Mischung“, so wie man sie in der Regel auch im Praxisalltag erlebt, ist hier sinnvoll.
Ein „Fall“ bedeutet übrigens nicht automatisch = ein Patient. Zum Beispiel kann ein behandeltes Tier, das im Notdienst mit Verdacht auf Fremdkörper im Magen-Darm-Trakt vorstellig wird, sowohl für eine Laborauswertung, eine Röntgen- bzw. Ultraschalldiagnostik, eine Inhalationsnarkose und die Enterotomie aufgeführt werden.
Etwas schwieriger hingegen war es für Peter, z.B. Knochenmarkspunktionen oder die Kryptorchismus-Operationen durchzuführen. Dies hängt natürlich stark vom Patientenaufkommen und Behandlungsspektrum der Einrichtung ab, in welcher man die Weiterbildung absolviert, ebenso wie von eigenen Interessensschwerpunkten. Verfügt die Klinik z.B. über kein CT, können auch die Kontrastmitteluntersuchungen ein „Engpass“ sein. In aller Regel findet sich hierfür aber eine Lösung, sei es durch gezieltes Ausschauhalten nach Patienten oder auch Kooperationen mit Kollegen.
„Warum tue ich mir das überhaupt an?“
Diese Frage hat sich Peter tatsächlich nur ganz selten gestellt, wenngleich ihn die Fachtierarztweiterbildung durchaus vor einige Herausforderungen gestellt hat. Die Fleißarbeit während der Falldokumentation und auch die intensive Lernphase vor der Prüfung können einen fordern. Gerade vor der Prüfung (den Termin hat er recht kurzfristig erhalten) hat er sich doch großen Druck gemacht. Im Endeffekt ist dann aber alles sehr positiv verlaufen und rückblickend reflektiert Peter, „die größten Hürden macht man sich doch wieder selbst.“
Wie kann man sich die Prüfung vorstellen?
Die Prüfung ähnelt den Klinischen Prüfungen im Examen für die Tierärztliche Approbation. Es ist eine mündliche Prüfung und man kann es sich als intensives Fachgespräch vorstellen. Das Ziel der Prüfung ist zu erkennen, ob man in der Lage ist evidenzbasiert und strukturiert an gängige und auch komplexe Krankheitsbilder in der Klein- und Heimtiermedizin heranzugehen. „Versteht man die Problematik des Falls? Schätzt man Zustand und Erkrankung richtig ein? Trifft man die richtigen Entscheidungen, stellt man die richtigen Fragen?“ Es mehr eine sehr praxisorientierte Prüfung als ein „stumpfes“ Abfragen auswendig gelernter Inhalte.
Mythen rund um die Fachtierarzt-Weiterbildung
„Lern das Telefonbuch auswendig und sage mir die Nummer auf Seite 247 in Zeile 15.“ So stellt man sich möglicherweise das Lernen für die Fachtierarztprüfung vor.
„Fachtierärzte können und wissen alles und müssen in allen Fachgebieten sehr tief ins Detail gehen können. Eine falsche Antwort in der Prüfung und schon ist man durchgefallen.“ Auch wenn dies sehr überspitzt formuliert ist, ranken sich doch einige Vorbehalte rund um den Ausbildungsweg.
Es geht in der Weiterbildung zum „allgemeinen“ Fachtierarzt für Kleintiere um eine breite Basis, die einen befähigt, Leitsymptome einzuschätzen und gängige Fälle in der Klein- und Heimtierpraxis fundiert aufzuarbeiten, aber auch wenn nötig an den richtigen Spezialisten zu überweisen. Peter hat sowohl die Weiterbildung als auch die Abschlussprüfung als sehr kollegial empfunden. Den Eindruck von „Die wollen einen nur rausprüfen“ kann er nicht bestätigen. Vielmehr sollen die Inhalte der Weiterbildungsordnung und die Abschlussprüfung einheitliche Standards und einen hohen Ausbildungsstand gewährleisten.
„Die Weiterbildung ist ein Marathon, kein Sprint.“
Gerade zu Beginn der Weiterbildung empfiehlt Peter, sich selbst Zeit zu geben. Das mag wie „ein alter Hut“ klingen, hat er aber als sehr wertvoll empfunden. Wichtiger, als direkt jedes Detail sämtlicher Erkrankungskomplexe zu kennen, ist die Fähigkeit, eigenständige Entscheidungen zu fällen und zu den Entscheidungen zu stehen. Man wird Fehler machen, das ist unumgänglich, aber man wird daraus lernen und sich weiterentwickeln.
Peter möchte Tierärzte motivieren, eine Fachtierarztweiterbildung anzustreben. Es ist eine intensive Zeit, in der man persönlich und fachlich stark wächst und das gewonnene Wissen wird man sein Berufsleben lang weitertragen. Je mehr Tierärzte sich umfassend weiterbilden, desto besser kann eine fundierte Tiermedizin, sowohl in Kliniken und Tiergesundheitszentren, als auch in allgemeinmedizinischen Praxen, angeboten werden.
Für sein weiteres Berufsleben als Tierarzt nimmt Peter mit: „Die Breite der Ausbildung ermöglicht es, aus verschiedenen Perspektiven auf einen Erkrankungskomplex zu schauen. Häufig hat ein Patient mehrere Baustellen. Wir haben sehr viele Spezialisierungen, was ich wunderbar finde, aber wir sollten uns immer den Blick für das gesamte Tier beibehalten.“
Peter ist nach Abschluss der Fachtierarztweiterbildung an seine Alma Mater zurückgekehrt und praktiziert nun an der Klinik für Kleintiere der TiHo Hannover. Er ist dort als Kleintierpraktiker u.a. in der Notfallversorgung tätig und wird sich künftig in der Onkologie spezialisieren. Nächstes Ziel: die Zusatzbezeichnung.
Wir wünschen Peter eine erfolgreiche Zukunft und bedanken uns ganz herzlich für den spannenden Einblick in seine Weiterbildung zum Fachtierarzt für Kleintiere.
Die Einschätzung von job.vet zur Fachtierarztweiterbildung? Viele Tierärzte, insbesondere direkt nach Abschluss des Studiums, möchten Fachtierarzt werden. In unserer Beratung zur Stellensuche erleben wir häufig, dass die Weiterbildungsermächtigung (WBE) ein ganz entscheidendes Kriterium bei der Wahl des Traumjobs ist. Da eine Weiterbildungsstätte gewisse Voraussetzungen erfüllen muss, ist die Anzahl der Arbeitgeber mit WBE begrenzt und natürlich sollen für Kandidaten auch weitere Kriterien (z.B. eine bestimmte Region, Sympathie mit Vorgesetzten und Team, langfristige Ziele) erfüllt sein. Das macht die Jobsuche manchmal herausfordernd.
Es lohnt sich, eigene Prioritäten zu definieren und die Optionen danach zu evaluieren. Das Team von job.vet hat sich darauf spezialisiert, Sie bei der Suche nach Ihrem Traumjob und dem passenden Arbeitgeber zu beraten. Auf unserer Stellenplattform finden Sie außerdem zahlreiche Stellenangebote, darunter auch Positionen mit Weiterbildungsermächtigung zum Fachtierarzt für Kleintiere.
Hinweis: Die Anforderungen an Fachtierarztweiterbildungen unterscheiden sich je nach Tierärztekammer. Die hier beschriebenen formalen Anforderungen beziehen sich auf die Weiterbildung im Kammergebiet Westfalen-Lippe. Da Weiterbildungsordnungen regelmäßig angepasst werden, sollten Sie immer die aktuell gültige Fassung Ihrer zuständigen Tierärztekammer prüfen.






