Transparenzpflicht beim Gehalt: Was sich bei Gehalt und Stellenanzeigen in der Tiermedizin ändert

Die Diskussion um Gehaltstransparenz in Stellenanzeigen nimmt in Europa deutlich zu. Hintergrund ist die neue EU-Entgelttransparenzrichtlinie 2023/970, die bis 2026 in nationales Recht umgesetzt werden muss. Für die Tiermedizin stellt sich damit zunehmend die Frage, wie Gehälter künftig in Stellenanzeigen, Bewerbungsprozessen und im Arbeitsalltag kommuniziert werden.

Gleichzeitig bleibt das Thema Gender Pay Gap aktuell. Laut dem TVD Gehaltsreport verdienen Männer in der Tiermedizin – auf eine 40-Stunden-Woche hochgerechnet – im Durchschnitt rund 9 % mehr als Frauen. Dabei ist wichtig zu differenzieren: Frauen arbeiten im Durchschnitt häufiger in Teilzeit, was sich entsprechend auf das Jahreseinkommen auswirkt. Die Gehaltsunterschiede entstehen somit nicht ausschließlich durch unterschiedliche Stundenlöhne, sondern auch durch unterschiedliche Arbeitszeitmodelle und berufliche Rahmenbedingungen.

Was regelt die EU-Entgelttransparenzrichtlinie?

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie (EU) 2023/970 wurde am 24. April 2023 vom Rat der Europäischen Union beschlossen. Die Mitgliedstaaten müssen die Vorgaben bis spätestens 7. Juni 2026 in nationales Recht umsetzen.

Ziel der Richtlinie ist es, Entgeltdiskriminierung zu reduzieren und die bestehende Lohnlücke zwischen Frauen und Männern zu verringern. Ein zentraler Hebel dafür ist mehr Transparenz über Gehälter – sowohl im Bewerbungsprozess als auch im laufenden Arbeitsverhältnis.

Gehaltstransparenz in Stellenanzeigen und Bewerbungen

Ein besonders relevanter Punkt betrifft die Gehaltsangaben in Stellenanzeigen bzw. im Recruiting-Prozess:

Arbeitgeber müssen Bewerbern künftig Informationen zum Einstiegsgehalt oder zur Gehaltsspanne der ausgeschriebenen Stelle zur Verfügung stellen. Dies kann entweder:

  • direkt in der Stellenanzeige erfolgen oder
  • spätestens vor dem Vorstellungsgespräch kommuniziert werden

Zusätzlich dürfen Arbeitgeber Bewerberinnen und Bewerber künftig nicht mehr nach ihrem vorherigen Gehalt fragen. Diese Regel soll verhindern, dass bestehende Gehaltsunterschiede in neue Arbeitsverhältnisse übernommen werden.

Rechte von Mitarbeitenden nach der Einstellung

Auch im bestehenden Arbeitsverhältnis schafft die Richtlinie neue Transparenzrechte. Beschäftigte sollen künftig Auskunft erhalten über:

  • die durchschnittliche Entgelthöhe für vergleichbare Tätigkeiten, aufgeschlüsselt nach Geschlecht
  • die Kriterien zur Festlegung von Entgelt und beruflicher Entwicklung

Diese Kriterien müssen dabei objektiv und geschlechtsneutral sein.

Berichtspflichten für Unternehmen

Für Unternehmen mit mindestens 100 Beschäftigten sieht die Richtlinie eine regelmäßige Berichtspflicht zum geschlechtsspezifischen Entgeltgefälle vor.

Bedeutung für die Tiermedizin und Stellenanzeigen

Für Tierarztpraxen und Tierkliniken bedeutet die EU-Entgelttransparenzrichtlinie vor allem eine stärkere Bedeutung von klar kommunizierten Gehaltsstrukturen.

Auch wenn nicht in jedem Fall zwingend vorgeschrieben ist, das Gehalt direkt in der Stellenanzeige zu nennen, wird eine frühzeitige Kommunikation von Gehaltsspannen in Stellenanzeigen zunehmend zum Standard. Bewerbende erwarten mehr Vergleichbarkeit zwischen Angeboten.

Für Arbeitgeber wird es dadurch wichtiger, interne Vergütungsstrukturen klar zu definieren – insbesondere bei unterschiedlichen Erfahrungsstufen, Notdienstanteilen oder Leitungsfunktionen. Gleichzeitig profitieren Bewerbende von einer höheren Transparenz im gesamten Bewerbungsprozess. Zur besseren Einordnung von Gehaltsniveaus stellen wir eine Übersicht der Gehaltsempfehlungen verschiedener tiermedizinischer Berufsverbände zur Verfügung, die als Orientierung im Markt dienen kann.

Fazit: Mehr Transparenz im Recruiting wird zum Standard

Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie 2023/970 wird den Umgang mit Gehältern im Recruiting langfristig verändern. In der Tiermedizin trifft sie auf einen Markt, in dem Fachkräfte stark gefragt sind und Vergütungsstrukturen zunehmend eine Rolle bei der Stellenwahl spielen.

Für Arbeitgeber bedeutet das vor allem mehr Klarheit und Struktur in der Gehaltskommunikation. Für Bewerbende entsteht dadurch eine bessere Vergleichbarkeit von Stellenangeboten und mehr Transparenz im Bewerbungsprozess.