Tiermedizin ohne NC? – Die neue Landtierarztquote in Bayern im Überblick
Der Tierärztemangel in ländlichen Regionen ist seit Jahren ein drängendes Problem. Mit der Einführung der Landtierarztquote in Bayern geht der Freistaat einen innovativen und doch aus der Humanmedizin schon bekannten Weg: Er ermöglicht Bewerber:innen den Zugang zum Tiermedizinstudium ohne klassischen NC, wenn sie sich verpflichten, später in einem zugewiesenen Bedarfsgebiet Nutztiere (Rinder und / oder Schweine) zu versorgen.
Wir haben mit dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) sowie mit den Studierenden gesprochen, die 2025 über die neue Quote ins Studium gestartet sind und teilen einen Überblick über Bewerbungsprozess, Verpflichtungen und die ersten Erfahrungsberichte.
Was ist die Landtierarztquote?
Die Landtierarztquote Bayern reserviert einen Teil der Studienplätze im Fach Tiermedizin an der LMU München für Bewerber:innen, die später in unterversorgten Regionen als Tierärzt:innen für Nutztiere arbeiten möchten. Die Idee: Nachwuchs gezielt dorthin bringen, wo der Bedarf am größten ist.
Laut LGL ist die Quote langfristig angelegt und soll auch in den kommenden Jahren fortgeführt werden.
Bewerbung für die Landtierarztquote: Ablauf und Voraussetzungen
Formale Voraussetzungen:
Die Hochschulzugangsberechtigung ist zwingend für die Bewerbung erforderlich, die Abiturnot und Wartesemester spielen bei der Zulassung auf diesem Weg dagegen keine Rolle. In gewissen Fällen ist auch eine Zulassung ohne reguläres Abitur möglich, wenn die Hochschulzugangsberechtigung anderweitig gegeben ist.
Optionale Kriterien (erhöhen die Chancen auf einen Studienplatz):
- Abgeschlossene oder angefangene Berufsausbildung im landwirtschaftlichen oder tiermedizinischen Bereich (z.B. TFA), relevante praktische Erfahrung oder Praktika in der Tiermedizin
- Test für Medizinische Studiengänge (TMS)
Auswahlverfahren
Das Auswahlverfahren findet in enger Zusammenarbeit zwischen LGL und LMU statt. In Gesprächen wird die Problemlösefähigkeit auf die Probe gestellt und die Motivation der Bewerber hinterfragt, in einem praktischen Teil können Bewerber zeigen, wie gut sie mit Nutztieren schon umzugehen wissen.
Vertragliche Verpflichtungen: Was kommt nach dem Studium?
Wer über die Landtierarztquote ins Studium kommt, unterschreibt einen Rahmenvertrag mit dem LGL, zentrale Inhalte davon sind:
- Einsatz in Bedarfsgebebiet in Bayern
- Die Einteilung erfolgt neutral anhand von Versorgungsdaten, um die Gebiete mit dem höchsten Bedarf an Nutztierpraktikern absichern zu können. Soweit möglich, werden Wünsche der Studierenden berücksichtigt.
- Zeitrahmen
- Die Studierenden verpflichten sich nach Abschluss des Studiums für 10 Jahre, in einem Bedarfsgebiet in der Nutztierpraxis tätig zu sein.
- Beschäftigungsform
- Ob Angestelltenverhältnis oder eigene Niederlassung – auch hier werden Wünsche der Studierenden so gut es geht berücksichtigt
- Weiterbildungen
- Die Studierenden haben die Möglichkeit, nach Beendigung des Studiums und vor Antritt ihrer Stelle in einem Bedarfsgebiet sich weiterzubilden, z.B. im Rahmen einer Promotion oder Fachtierarztausbildung in Bereich der Nutztiermedizin.
Erfahrungen aus erster Hand: Studierende erzählen
Die ersten Studierendensind im Wintersemester 2025/26 über die Landtierarztquote in Bayern ins Tiermedizinstudium gestartet. Alle hatten bereits länger den Wunsch, Tierarzt oder Tierärztin zu werden – einige hatten sich parallel im Ausland beworben, andere schon erste praktische Erfahrungen gesammelt. Ihre Wege sind unterschiedlich, doch ihr Ziel ist dasselbe: ein Studienplatz in der Tiermedizin.
Vielfältige Hintergründe – gemeinsame Motivation
Ihre Hintergründe sind verschieden: teils vom Land und auch schon mit landwirtschaftlichem Bezug, teils aber auch aus der Stadt – nur die gemeinsame Begeisterung für Nutztiermedizin ist bei allen gleich. Ein Großteil dieser Studierendenhaben eine Ausbildung im tiermedizinischen Bereich angefangen, davon einer sie auch abgeschlossen. Auch Praktika im tiermedizinischen Bereich gaben schon erste Einblicke in den Beruf.
Wie sie auf die Landtierarztquote aufmerksam wurden:
Den Weg zur Landtierarztquote fanden die meisten über Tierärztinnen und Tierärzte im persönlichen Umfeld – ein Hinweis darauf, wie entscheidend Netzwerke in der Tiermedizin sein können. Andere stießen über Online-Recherchen auf die neue Möglichkeit, auch ohne Top-Abiturnote einen Weg ins Tiermedizinstudium zu finden.
Der Bewerbungsprozess? Definitiv machbar!
Zwar waren anfangs nicht unbedingt alle Vorgaben klar, doch am Prüfungstag selbst wurde alles Notwendige kommuniziert: eine Mischung aus Interviews, theoretischen und praktischen Aufgaben prüften vor allem Motivation, Eignung und logisches Denken. Die Prüfer waren alle sehr motiviert, ihre Prüflinge gut durchzubringen und eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.
Verpflichtungen: realistisch und sinnvoll
Die verpflichtende Tätigkeit in einem bayerischen Bedarfsgebiet wird von den Studierenden reflektiert betrachtet, jedoch nicht als Einschränkung empfunden. Da sich alle bewusst für die Nutztiermedizin entschieden haben, sehen sie die Bindung eher als logischen Teil eines Gesamtkonzepts, das den Berufsstand stärken soll. Viele sind optimistisch und betrachten die Quote als Chance, nicht als Risiko.
Fazit der Studierenden:
Alle Befragten waren sich einig: Die Landtierarztquote schafft einen Zugang zum Studium, der stärker auf Motivation und Praxiserfahrung setzt als auf Schulnoten. Viele sehen das als klaren Vorteil – und als Chance für all jene, die sich bewusst für die Nutztiermedizin entscheiden und bereit sind, Verantwortung in einem Bedarfsgebiet zu übernehmen.
Fazit: Eine echte Chance für Tiermedizin mit Nutztierschwerpunkt
Die Landtierarztquote Bayern schafft neue Zugangswege ins Tiermedizinstudium, stärkt gezielt die Nutztiermedizin und bietet motivierten Bewerber:innen realistische Perspektiven – unabhängig vom NC. Die Verpflichtung, nach dem Studium für 10 Jahre in einem zugewiesenen Bedarfsgebiet zu arbeiten, ist jedoch eine Herausforderung, der sich die Bewerber:innen bewusst sein sollten, wenn sie diesen Weg gehen.
Gleichzeitig ist das Projekt noch jung. Viele Details müssen sich erst in der Praxis bewähren. Doch die ersten Erfahrungsberichte sind überwiegend positiv.
Wenn du schon immer Tiermedizin studieren wolltest und dir die Arbeit im Nutztierbereich vorstellen kannst, ist jetzt der richtige Zeitpunkt:
Bewirb dich für die Landtierarztquote und nutze deine Chance auf einen Studienplatz in Bayern!
Bewerbung für 2026: Alle Infos auf einen Blick
Die Bewerbung ist ab dem 01. Februar 2026 bis zum 28. Februar 2026 über das Portal des LGL möglich.
Link zum Bewerbungsportal: https://www.landtierarztquote.bayern.de/bewerbung/bewerbungsportal/index.html
Weitere Infos zur Landtierarztquote findest du auf der Homepage: https://www.landtierarztquote.bayern.de
E-Mail: Landtierarztquote@lgl.bayern.de
Hotline: 09131/6808-5555 von Montag bis Freitag zwischen 9:00 und 12:00 Uhr






